Das genossenschaftliche Prinzip: Werte schaffen Werte
Im Wirtschaftsleben hat die Finanz- und Kapitalmarktkrise in den vergangenen Jahren für gewaltige Turbulenzen gesorgt. Zuerst waren es die Kreditbanken, die von staatlichen Einlagen und Rettungsschirmen davor gerettet werden mussten, ihre mittlerweile faul gewordenen Kredite begleichen zu können und nicht bankrott zu gehen. Im Euro-Raum hat sich diese Krise auf Staaten übertragen. Nachdem für die Geldhäuser die Schäfchen im Trockenen zu sein schienen wurde den Politikern und der Öffentlichkeit plötzlich klar, das marode Staatsfinanzen die nächsten Sorgenkinder waren, die das wirtschaftliche System und die europäische Währung, den Euro zur Implosion bringen können. Unter großen Mühen wurden auch hier Rettungsmechanismen gebaut, die eine Staatspleite verhindern sollen.
All das hat die Bankkunden skeptisch gemacht. In der Folge der Kreditkrise waren plötzlich immer lauter Stimmen zu hören, die die Verkleinerung des als zu groß empfundenen Bankensektors forderten, der über keine Verbindung mehr zur Realwirtschaft zu verfügen schien. Dabei sind Zweifel an den Geschäftspraktiken im Bankensektor keine so ganz neue Erscheinung.
Schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts sorgte die beginnende Industrialisierung dafür, dass sich kleinere und mittlere Unternehmen, Handwerksbetriebe und Selbstständige immer schlechter mit dem für sie so nötigen Kapital über Kredite versorgen konnten. Um dieser Not ein Ende zu machen gründete Hermann Schulze-Delitzsch eine Genossenschaftsbank. Genauso wie Friedrich Wilhelm Raiffeisen funktionierten diese Banken auf der Grundlage des genossenschaftlichen Prinzips: Die Mitglieder des Vereins unterstützen andere Mitglieder über ihre Einlagen, die Finanzmittel bedurften. Waren diese beiden Gründungen noch unabhängig voneinander, entstanden nach 1889 eine ganze Reihe genossenschaftlich organisierter Banken. Bis heute hat diese Form der Finanzwirtschaft in den Raiffeisenbanken überlebt und erfreut sich einer immer stärker wachsenden Beliebtheit. Der Geschäftsbetrieb der Raiffeisenbank wird von 16 Mio. Mitgliedern getragen. Von den Einlagen dieser Mitglieder finanzierten sich in Deutschland im Jahre viele Mitglieder, private Kunden und Kunden aus der Wirtschaft. Ende 2010 belief sich die Bilanzsumme aller Genossenschaftsbanken auf knapp über 1 Mrd. Euro.